Traffic Jam

“Wir fahren schon früher weg, damit wir den Stau vermeiden!“ -

Klangen unsere Worte, welche wir - in feudaler Aufbruchstimmung - in den Nachthimmel posaunten.

 

Und so kam es, dass wir unsere Reise - laut singend und kreischend und mit dem Übermut, welcher aus unserer kongenialen Idee, früh wegzufahren, resultierte – um vier Uhr Nachts (GMT +01:00 Berlin, Wien, Stockholm,…) starteten. Wir brausten los und gaben den Reifen unseres Vehikels die Abreibung ihres Lebens (die Hälfte der Pneus klebt immer noch am Asphalt in meiner Einfahrt.), in Richtung Autobahn.

 

Doch nach nur wenigen Kilometern, gab’s den ersten Deckel auf unsere Euphorie-Dampfwolke.

 

Wir, welche die Weisheit mit der Schaufel gefressen hatten, rechneten nämlich nicht damit, dass die Idee „früh wegfahren“ noch ca. Einemillionfünfhunderttausend andere, urlaubsgeile Automobilbesitzer hatten und so standen wir, nach geschätzten sieben Minuten Fahrzeit, im Stau.

 

Ein Megastau, wie wir anschließend im Radio hörten.

“Der größte Stau in diesem Jahr“ – hieß es. Aufgrund seiner enormen Länge, wurde im Ministerrat darüber beraten, ihm einen eigenen Namen zu geben, denn so schnell würde sich dieses gigantische Beast nicht in Luft auflösen. Experten meinten sogar, diese Art von Stau könnte zu einem so genannten “Permanentstau“ mutieren, welcher nur durch einen mehrere Quadratkilometer großen Monstermagneten oder mit Hilfe einer Atombombe zu beseitigen ist.

Dieser Stau entwickelte sein Eigenleben und begann mit geometrischer Geschwindigkeit zu lernen. Es dauerte nicht lange und er erlangte ein eigenes Bewusstsein….ohhh, verdammt…..ich drifte schon wieder ab….zurück zur Realität.

 

Da war es also. Unser neues Markenzeichen. Schottland hat Loch Ness, Japan hat Godzilla und Österreich hat “Stau“ (fuck ist das ein mieser Name, da muss meine Marketingabteilung noch ein bisschen mehr Pep reinbringen). Wir haben zwar nicht den zugkräftigsten und werbewirksamsten Namen, aber dafür ist unser Monster das größte. Mehr als 40 Kilometer lang und tausende von Tonnen schwer. Da Hilft kein Superman und selbst Chuck Norris sieht da alt aus, hier hilft nur unser lieber Freund Geduld.

 

Doch wo ist der, wenn man ihn braucht? Stattdessen schickt dieser seinen Halbbruder Ungeduld (welcher ständig am Lenkrad tippt – eine Zigarette nach der anderen frisst und sich dabei die Plomben aus den Zähnen beißt) und wenig später seinen Cousin „blinde Wut“ (der wiederrum laut schreiend das Lenkrad aus der Halterung reißt, um es anschließend hupenden Staupartnern über die Rübe zu ziehen) vorbei. Doch die helfen in einer solchen Situation nicht wirklich. Im Gegenteil. Das Getippe macht den Beifahrer nervös und die gebrochenen Schädel der “Staupartner“ bringen Tränen in die Gesichter der unausgeschlafenen Kindergesichter.

So wird niemandem geholfen.

 

Eines weiß ich ganz bestimmt:

Nächstes Jahr sitz ich während dieser Zeit lachend an meinem Arbeitsplatz und hör mir den Verkehrsfunk an.

Nie wieder mit der Karre in den Urlaub.

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