
Schmutzfinke sind dumm
Sie brauchten eine neue Küche. Die alte war schäbig, kakerlakenverseucht und der Hygienestatus entsprach in etwa dem, eines von Löwen aufgebissenen, zwei wochen alten, Elefantenkadavers.
Der geöffnete Kühlschrank glich eher einem Biotop, als einem Küchengerät zum Frischhalten von Lebensmittel. Jedes Joghurt, dass den Weg in den Kühlschrank fand, lernte schneller laufen, als neugeborene Fische das Schwimmen. Der Geruch erinnerte an kotdurchtränkte Windeln, von überwiegend scharf essenden, mexikanischen Bergbauernbabys und auf der “Arbeitsplatte“ erreichte der Schimmel bereits himalayische Ausmaße.
Wer diese Küche betrat, ohne sich und seine gesamte Umwelt voll zu kotzen, war entweder kein Mensch oder ein Kriegsveteran, dessen Nase - in irgendeinem gottverdammten Weltkrieg - aus seinem Gesicht geschossen wurde.
Sogar die Kakerlakenpopulation nahm von Tag zu Tag ab. Sie zogen aus, weg von hier, ihr Überleben war hier nicht länger gesichert. Laut diverser Lexika ist die gemeine Küchenschabe zwar in der Lage, einen Atomkrieg zu überstehen, aber was hier geboten wurde, war eindeutig zuviel des Schlechten. In dieser Küche wäre radioaktive Strahlung vergleichbar mit einer wohltuenden Nackenmassage.
Also machte die gute Familie das Einzige, was ihr Leben über kurz oder lang retten konnte, sie steckten den Raum in brand. Nachdem sie selbst dazu mehrere Versuche benötigten, weil sich das Feuer weigerte um sich zu greifen, gelang es schlussendlich doch, alles was giftig war, zu vernichten.
Der Rest wurde herausgerissen und auf die Sondermülldeponie verfrachtet. Obwohl die Arbeiter dort schon einiges gewohnt waren, hielten auch sie sich, beim Ausladen der Reste, die Nasen zu.
Danach ging’s ab zum Möbelhaus. Eine tolle Küche wurde gekauft und sofort auf die Ladefläche des geliehenen LKWs gestapelt.
Kurz vor der Hauszufahrt gab es jedoch noch ein kleineres Problem. Der Wagen musste noch durch eine Unterführung hindurch und es schien als sei er zu hoch. Sie steuerten das KFZ knapp vor die Einfahrt der Unterführung und kontrollierten mit Augenmaß ob es sich denn ausgeht oder nicht. Siehe da, es war zwar knapp, aber der “Schlitten“ passte durch.
Nachdem die komplette Küche abgeladen wurde, musste nur noch der geliehene Wagen zurückgebracht werden. Auf dem Weg zur Unterführung (aufgrund der noch gespeicherten Information “der Wagen passt knapp durch“ mit einem leichten Grinsen im Gesicht) stieg er noch einmal kräftig aufs Gas, doch was er dabei vergaß, war das fehlende Gewicht und somit endet diese G’schicht, mit abgerissenem Heck im Dreck.
