Meine Irritation

Ich habe heute frei. “„Day off“ wie man das Ganze im Race-English bezeichnet!“ - würde Heinz Prüller an dieser Stelle schreiben. Trotzdem lieg ich nicht sabbernd in meinem Bett und träum vom heißen Sex zweier Schnabeltiere, sondern sitze vor meinem bescheidenen PC (sehr bescheiden, wenn ich an dieser Stelle das Wort “bescheiden“ verwende) und schreibe an meiner Irritation (richtig gelesen, I r r i t a t i o n!).

 

Mein Datentrang (im e-Zeitalter korrekt geschrieben!) erlaubt es mir nicht länger zu schlafen, als unbedingt nötig.

 

Da fällt mir ein, in meinem Wohnort gibt es ein mexikanisches Restaurant, dass sich „Tepito“ nennt. „Tepito“ nennt sich unter anderem auch ein Markt in Mexiko City. Wer diesen auch nur ein einziges Mal besucht hat und es schaffte lebend aus diesem verbrecherischen, stinkenden, verwesenden, Raubkopien-verseuchten, blutverschmierten,  steuerhinterziehenden, gefährlichen und stinkenden (hab ich schon angeführt, ich weiß, aber es hat wirklich so penetrant gestunken, dass ich es ein zweites Mal anführen muss) “Handelszentrum“ wieder raus, würde niemals auf die grenzdebile und endlos hirnverbrannte Idee kommen, das eigene Lokal danach zu benennen.

Das wäre ungefähr so als würde man seine mit Krediten finanzierte Bar mit „Berliner Bahnhofsklo“ oder „Pest-Spital“ betiteln. Drogensüchtige- und Raubmörder-Stammgäste garantiert! Somit wäre man dem gnadenlosen Würgegriff des gesellschaftlichen Untergangs hoffnungslos ausgeliefert. Einem unvermeidbaren gesellschaftlichen Untergang, welchen man – zusammen mit dem eigenen Publikum unter wehenden Fahnen - antreten würde. Ein schwarzes Loch, das einen selbst zu unendlicher Dichte zusammenpressen würde. Unendlicher Dichte! Hunter S. Thompson wüsste wovon ich schreibe.

 

Das wurmt mich schon einige Jahre und jetzt bin ich das endlich mal losgeworden.

 

Ich sehe zum Fenster raus und stelle mit breitem Grinsen fest: Der Schneehase wurde nun endgültig vom Osterhasen ersetzt und ich kann endlich bei offener Balkontüre schreiben, ohne dass meine Finger an der Tastatur festfrieren und ich anschließend mit doppelseitiger Lungenentzündung ins örtliche Krankenhaus (mit Blaulicht vorbei am „Tepito“) eingeliefert werden muss.

 

Die Tage werden wieder länger und die Nächte kürzer. Was heißt das im Klartext? Die Vögel singen und die süßen Rehlein sind zum Abschuss freigegeben. Freilandeier werden wieder zu solchen und die Gastgärten öffnen ihre Pforten.

 

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass mir die Zusammenhänge in diesem Text etwas abhanden gekommen sind und darum schreibe ich an dieser Stelle auch nicht weiter, damit sich dieser Eindruck auch wirklich bestätigt.

 

Wer hat John F. Kennedy erschossen und warum war Elton John mit einer Frau verheiratet?

 

Nun, am Ende dieses Schriftstücks angelangt möchte ich mich recht herzlich bei meiner Irritation bedanken.

 

Danke!

Schlagwörter für diesen Artikel:

Trackbacks

    Keine Trackbacks vorhanden.

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

    Keine Kommentare vorhanden.


Kommentar schreiben


Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Geben Sie jetzt noch die dargestellte Zeichenfolge in das Feld unten ein und klicken Sie auf "Kommentar abschicken".
Hinweis: Hierfür muss die Unterstützung von Cookies in Ihrem Browser aktiviert sein.