
M.J.
Er begleitete mich durch meine Kindheit. Die erste Musik, die ich als solche wahrnahm, kam von ihm. Im ersten und einzigen Musikvideo, welches mir schlaflose Nächte bereitete, war er der Hauptakteur. Ein kleiner Kassettenrecorder in mitten eines von Kindern gebildeten Kreises. Aus den Lautsprechern ertönt ein Rhythmus, ein einzigartiger Rhythmus, dem sich keiner widersetzen kann. Fast zwanghaft bewegen die Zuhörer ihre Körper zu seinem Beat und das wird sich niemals ändern. Heute, über 20 Jahre später, der Kreis wird mittlerweile von Erwachsenen gebildet und der Kassettenrecorder wurde durch einen MP3 Player ersetzt, lauschen die selben Personen wieder den Klängen des „King of Pop“, wieder kann niemand still halten und wieder geht die Melodie direkt ins Herz. Tausende Male wurden Songs wie „Thriller“, „Beat it“, „Billy Jean“, „Heal the World“, „Dirty Diana“, „Smooth Criminal“, „Give in to me“, usw… in der Zwischenzeit gehört und doch haben sie nichts von ihrem unbeschreiblichen Zauber eingebüßt. Zeitlos und unverblasst wischen diese Titel mit der aktuellen Hitparade den Boden auf. Welcher Track der letztjährigen Top 10 wird in 25 Jahren noch genauso kraftvoll und unverbraucht aus den Boxen dröhnen und „don’t matter if you’re black or white“ die Leute zum Tanzen animieren? Ich sag’s euch, mit Garantieschein – kein einziger! Eines steht jedoch fest, wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten, Genie und Wahnsinn gehen immer Hand in Hand und dies ist auch bei dem wohl größten Pop-Künstler, den die Menschheit je gesehen hat, nicht anders. Aufgewachsen auf der Bühne, als Kleinkind schon stand er an vorderster Front um Menschen zu unterhalten. Nie ein aufgeschlagenes Knie vom Fußballspielen, keine Hautabschürfungen die auf einen Sturz mit dem Fahrrad zurückzuführen gewesen wären, höchstens eine Schramme im Gesicht in Form des Markenemblems der Gürtelschnalle seines Vaters. „Bitte, lass mich ein Kind sein!“ war der einzige Wunsch den dieser Mensch hatte, doch niemals wurde ihm dieser erfüllt. Nicht mit allem Geld der Welt konnte er sich selbst diesen Wunsch erfüllen. Zeit kann man eben nicht kaufen, jeder Mensch feiert nur ein einziges Mal seinen sechsten Geburtstag und wenn dieser Tag vorbei ist, dann ist er vorbei – da fährt der sprichwörtliche Zug drüber! Sein Leben sollte als abschreckendes Beispiel für all jene Menschen dienen, die darauf vergessen haben was es heißt Teil unserer Generation zu sein. Er hätte wohl all seinen Besitz aufgegeben nur um mit dem Zug in den Urlaub fahren zu können. Einfach in einem Abteil sitzen und aus dem Fenster blicken ohne dabei die Verantwortung für hysterisch kreischende und umgehend in Ohnmacht fallende Fans zu übernehmen, war nicht möglich. Eingehüllt im Schutzmantel der Anonymität ist es für uns unvorstellbar sich nicht mit Freunden treffen zu können, wann, wo und wie wir es wollen, für den verstorbenen Pop Helden war das aber das alltägliche Leben. Wie ein Fluch haftete seine Popularität an ihm und ließ so der Freiheit, die jeder Mensch braucht wie die Luft zum Atmen, keinen Platz. Schlussendlich erstickte ihn der Ruhm. Ein Tod wie er vorhersehbarer nicht sein konnte. Wer dachte schon ernsthaft, dass die „Moonwalk-Legende“ im hohen Alter sanft vom Schlaf in den Tod gleiten würde? So kam es wie es kommen musste. Der Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm sicher, seine Musik wird weiterleben, aber eines bleibt für immer unbeantwortet: Wer war Michael Jackson wirklich?

