
Der Käsekrainerkönig der Westküste
„Milliardenschwer und trotzdem (nahezu) bodenständig!“ – so könnte man mich am besten beschreiben. Klar, ich hatte Glück, aber dazu gesellt sich noch ein gewaltiger Batzen Verstand. Diese Kombination machte einen saureichen Mann aus mir und jeder der behauptet, dass man Glück nicht kaufen kann, ist ein abgefuckter Loser und Pleitegeier obendrein.
An einem lauwarmen Karibikmorgen am Steuer der eigenen Mega-Yacht zu stehen, umarmt vom zarten Wind des Meeres, welcher, verfeinert von exotischen Düften aus der Kombüse, direkt durch meine Nase in meine Lunge wandert – ist ein tolles Gefühl, das sich auch gerne mit „Glück“ vergleichen lässt.
Zehn Kojen, von denen neun als Schlafplatz für die Platzierungen eins bis neun der letzten Miss-World-Wahl dienen, alle an Board meiner Mega-Yacht – ist ein tolles Gefühl, das ich darüber hinaus sehr gerne mit Mister Briatore teile.
Auch er wird mit mir zu hundert Prozent d’accord gehen, wenn ich in diesem Fall behaupte, dass man auch hier wieder von „Glück“ sprechen kann.
Ganz zu schweigen wie glücklich ich auf meiner eigenen Insel bin, auf welcher ich satte einhundertvierunddreißig Kojen an Missen aller Welt zu vergeben habe und, soviel kann ich euch verraten, diese Mädchen würden ALLES dafür tun, um wenigstens einen Tag länger Gast auf SanFranChisco-Island (der Name meiner Insel) zu sein.
Diesen ganzen unverzichtbaren und überglücklich machenden Reichtum habe ich nur einer einzigen grenzgenialen Idee zu verdanken.
„Käsekrainer für Mexiko!“
Es war während meines mehrwöchigen Aufenthalts in Mexiko, als mir bewusst wurde, wie gerne dieses Volk Wurst isst und wie vernarrt sie in Käse sind. In jedem 3-Tage-Bart der mexikanischen Männer prangert mindestens ein Tropfen von gelbem Schmelzkäse und jede Türklinke in diesem gottverlassenen Land ist schmierig aufgrund der wurstverfetteten (durchwegs mexikanischer) Hände.
„Also, warum nicht ein „Kombiprodukt“ auf den freien Markt werfen?“ – dachte ich – „Warum nicht einfach einen Metzger aufspüren den man schmieren kann (Vertrauen wird immer mehr zur Fiktion auf diesem Planeten), ein paar Indianer anheuern die den Käse in die Wurst stopfen und eine Werbekampagne starten, die Marken wie „Mc Donalds“ und „Red Bull“ schneller in Vergessenheit geraten lässt, als eine Ein-Tages-Fliege ihr Leben auf der Erde fristet?
Gedacht – getan!
Mit geometrischer Geschwindigkeit breitete sich mein – überwiegend schädliches – Produkt im Staate Mexiko aus. Die Mexikaner fielen über die Käsekrainerverkäufer her, wie Piranhas über einen verwundeten Barsch.
Millionen von Schweinen wurden täglich zu Wurst verarbeitet und kein Schwein wurde dabei übersehen. Von Wildschweinen, Stachelschweinen, Warzenschweinen bis hin zu Meerschweinchen, starb zu dieser Zeit kein einziges Schwein eines natürlichen Todes. Sie alle landeten auf der kilometerlangen Schlachtbank meines geschmierten Metzgers. Er konnte sein Glück kaum fassen und jedes Mal wenn ich ihm in seinem blutüberströmten Schlachthof einen Besuch abstattete, besprang er mich - mit seinem eineinhalb Meter langen Schlachtermesser in der Hand – wie ein tollwütiger Pudel und küsste mich dutzende Male auf meine frisch rasierten Wangen.
Ich brauchte jedes Mal Stunden, bis ich den Geruch von Tod, Fett und totem Fett wieder loswurde, aber es war mir eigentlich egal.
Heute stehe ich auf meiner Yacht und besegle die Weltmeere wie einst die großen Entdecker vor unserer Zeit und jedes Mal wenn ich in SanFranChisco-Island anlege, wird mir bewusst wie glücklich mich meine Milliarden doch machen und wie nahe am Selbstmord ich wohl ohne sie wäre.
Meine „Wurstkette“ reicht mittlerweile von Costa Rica bis nach Alaska und in den Milliardärsshows auf MTV werde ich als „Käsekrainerkönig der Westküste“ bezeichnet (In der subjektiven Berichterstattung gibt’s natürlich auch “meinen“ - von MTV nachbearbeiteten - Jumbojet, der die Form einer Käsekrainer hat, zu bestaunen!).
Ich warte nur noch auf den Tag an dem sich ein Staat Geld von mir borgt, denn dann gehört auch dieser mir.
Viele reiche und großartige Männer fielen dem Größenwahn zum Opfer, das aber wird mir nicht passieren, denn, wenn die Hälfte der Kugel (Erde) mir gehört, werde ich mich zur Ruhe setzen, denn ich – DER GROSSE KÄSEKRAINERKÖNIG VON DER WESTKÜSTE - weiß, wann ein Mann seinen Zenit erreicht hat.
Hail to the Wurst, Baby!

