
Brainstorming - Costa Rica 2009
„… und wenn sie nicht erschossen wurden, dann lachen sie noch heute.“
Das wäre ein guter Schlusssatz meiner Urlaubsstory. Dieses Mal hab ich’s endlich getan. Ich habe mich getraut, ich habe mich überwunden – ich habe ein Tagebuch verfasst.
Jetzt hab ich aber folgendes Problem:
„Was soll ich mit dieser Story anfangen? – Sie hier in meinem Blog veröffentlichen? Interessiert jemanden die penible Schilderung von 22 Urlaubstagen verbracht im letzten Paradies auf Erden? Wie wir an Sandstränden entlang spazierten, zu den Klängen des Regenwaldes, die Blicke gerichtet auf wohlgeformte, dunkelhäutige und glänzende Pobacken und tief in den Gedanken versunken (ebenfalls in den Hauptrollen dieser Gedanken - „dunkelhäutige und glänzende Pobacken) den heißen Sand fühlten, wie er sich sanft an unsere Fußsohlen schmiegte!“. – „Will das jemand wissen?“ Ich kann es mir nicht vorstellen, darum lass ich es auch.
Ich werde niemanden von der Küchenschabe erzählen, die ca. die Größe eines Leib Schwarzbrotes hatte, den einzigen verregneten Nachmittag auf meiner Zahnbürste verbrachte und uns anschließend an den Rand eines Nervenzusammenbruchs trieb, indem sie unsere Rucksäcke bestieg, resistent gegen Fußtritte war und gleichzeitig flink wie eine Stubenfliege.
„Wie soll man ein Tier töten, welches einen Atomschlag überleben würde?“ – fragten wir uns. Die Kakerlake hatte uns erledigt, sie hatte gewonnen und so lief sie auch davon. Kichernd und Lachend hielt sie zwei Beine in die Höhe, während sie die restlichen vier zum klackernden Triumphmarsch verwendete und wir saßen – keuchend und nass, wie zwei noch kurz vor dem Ertrinken gerettete Angorakatzen – mit hängenden Köpfen am Bettrand. Ein Insekt sie zu knechten.
Oder die desserttellergroße Spinne, die einen fetten Faden durch meinen geplanten relax - Nachmittag zog, indem sie sich dazu entschloss, ihr 28m² großes Netz neben meiner Hängematte zu spannen. Auch sie bleibt gänzlich unerwähnt. Nie werdet ihr von ihr erfahren, niemals.
Oder vom „Krieg der Sandler“, jener intensive Streit zweier Typen, welche um die Vormachtstellung im Örtchen Montezuma einen brutalen Verbalfight führten.
„Du bist der Nächste der draufgeht! Du bist der nächste der stirbt! Du wirst sterben! Willst du das? Willst du sterben du Drecksschwein?“ – schrie einer der beiden den anderen an, worauf dieser volltrunken aus dem Delirium antwortete: „Ich werde niemals sterben!“ (I'll never die! Hieß es im Original. Hier hat es sich wohl um zwei amerikanische Aussteiger gehandelt, die gut und gerne schon seit 30 Jahren in Costa Rica leben. – kurze Info am Rande!). Mit dieser verbalen Retourkeule hatte der Herausforderer nicht gerechnet und so verschlug es ihm die Sprache. Der Zorn der ihn erfüllte war aber allgegenwärtig und es war nur eine Frage der Zeit, bis dieses Pulverfass explodieren würde. Die Frage war nur: „In welcher Form dreht der Typ jetzt durch? Auf welche Art und Weise wird der Gegenschlag erfolgen?“
Er nahm Steine, - richtig gelesen, - ordinäre Steine die er vom Boden aufhob, inspizierte und gegen seinen Kontrahenten schleuderte. Der war jedoch in einem derart brutalen Rauschzustand, dass er die Einschläge nicht wahrnahm. Doch das erzürnte sein Gegenüber, der mittlerweile wie ein brennender Kampfhund durch den Ort rotierte, nur noch mehr. Ich traute mich schon gar nicht mehr hinzusehen, schließlich wollte ich nicht als blutverschmierter Sandsack enden, in welchen die tobende Kreatur ihre im Übermaß vorhandenen Aggressionen abbaute.
Tja, das alles und vieles vieles mehr bleibt mein Geheimnis.
Ich schließe jetzt das Buch und verstaue es unter meinem Bett, bis es eines Nachts, einer stürmischen Nacht voller Blitze und Donnergroll, von meinen Urenkel entdeckt wird. Einer wird daraus vorlesen und die anderen werden währenddessen bei jedem Blitzschlag vor Angst erzittern.
„Es war einmal vor langer langer Zeit, in einem kalten Jahrhundert das man auch als Jahrhundert der Totenstille bezeichnete, als sich zwei wahnsinnig tolle Typen auf den Weg machten….“

