Ein Abend bei den Znils

Männer lieben Fußball. Banaler Satz der jedoch den Nagel mit der schmalen Spitze einer Spitzhacke mitten auf dessen kleinen Kopf trifft und diesen somit zur Gänze im Biertisch versenkt.

Männer lieben Fußball im TV.

Männer lieben es, mit ihresgleichen die Sportart im Fernsehen zu verfolgen. „90 Minuten mehr vom Fußball verstehen, als der Rest der Runde, Bier trinken und Jausnen!“ heißt das dann.

 

Und genau das machen meine Freunde und ich jede Woche einmal, das heißt, wir versuchen es, und zwar im Keller der, ich nenne sie jetzt aus datenschutzrechtlichen Gründen einfach mal, „Znils“.

Ein wohliger Ort, mit Holzofen, einer gemütlichen Bar, einem Tisch für maximal acht Personen (oder vier waschechten Herren), einer passende Sitzbank und einem HI-FI Center, welches jedem Couch-Fußballer das Herz in bisher nie erreichte Sphären schlagen lässt.

 

Doch jedes Mal gibt’s Ärger im Paradies.

Drei Znils, haben drei unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Komponenten des HI-FI Systems, mit welchen Komponenten des HI-FI Systems kompatibel sind.

Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, dass sich die Runde bereits zwei Stunden vor Anpfiff in den Gemäuern der Znils zusammenfindet, lässt sich das - aus welchen Gründen auch immer - nicht gewährleisten, kann das zur Folge haben, dass man das Ergebnis der Partie erst beim Nachhausefahren aus dem Munde des Radiosprechers erfährt.

 

Ich nehme also Platz und dann geht das kostenfreie Theater los:

 

„Ton ist da, aber kein Bild“

„Das gelbe Kabel fehlt!“

„Welches „gelbe Kabel“?“

„Das Gelbe, das vom Receiver in den Beamer muss!“

„Du meinst von der D-Box in den Receiver?“

„Nein, in den Beamer! Von der D-Box in den Beamer!“

„Und selbst wenn, wo ist es?“

„Ich glaub es ist oben!“

„“Ich glaube“ ist der kleine Bruder von „ich weiß es nicht!“

„Ich schau mal rauf!“

 

2 Minuten später…

 

„Ich hab nur dieses gefunden!“

„Das? Das geht gar nicht! Wo willst du das denn reinstecken?“

„In den Beamer!“

„In den Beamer, ja und? Wo noch?“

„Receiver oder D-Box?“

„Hmmm, probier’s mal mit der Box!“

„Hey, da war kurz ein Bild!“

„Ja, aber der Ton war weg!“

„Wieso das denn?“

„Weil du das schwarze Kabel berührt hast.“

„Ich hab kein Kabel berührt und schon gar kein schwarzes!“

„Sicher, jetzt ist der Stecker raus!“

„Verdammt, wo muss der rein? Ich kann nichts sehen. Ich hab’s!“

„Sehr gut, wir haben Bild und Ton!“

„Aber das ist der falsche Kanal!“

„Wer hat die Fernbedienung?“

„Welche? Die vom Beamer oder die vom Receiver?“

„Ach Gott, die von der D-Box natürlich!“

„Da geht nix! Sind da Batterien drinnen?“

„Natürlich, du darfst sie nicht zur Leinwand halten! Ziel zur D-Box!“

„Ahhh, jetzt bewegt sich was!“

„Was ist das? „Jugendschutz Pin ändern““?

„Nein, nicht, da ist sofort das Bild weg. Raus aus dem Menü!“

„Wie denn? Geht nicht!“

„Nicht zur Leinwand zielen – zum fünften Mal jetzt!“

„Ich bin raus!“

„Und jetzt auf Fußball schalten!“

„Jawohl, endlich, wie steht’s?“

„Kann man nicht erkennen, das Bild ist nicht richtig eingestellt, das Ergebnis wird hinter die Leinwand projiziert!“

„Pass bitte auf, nichts ausstecken!“

„Alles klar, kann man was sehen?“

„Ja, ich sehe es, bleib so!“

„OK! Wie steht’s?“

„4:3!“

„Wie lange geht’s noch?“

 

 

Da ertönt das erste Mal der Kommentator aus den Boxen:

„Das Spiel ist aus. In einem der wohl spektakulärsten Spiele aller Zeiten schlägt Manchester United den FC Barcelona mit 4:3! Das Spiel wird laut ersten Informationen nie wieder ausgestrahlt!“

 

„Tschüss, bis nächste Woche!“

Schlagwörter für diesen Artikel:

Trackbacks

    Keine Trackbacks vorhanden.

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)

  1. lautschi schreibt:

    naja, irgendwie klingt diese geschichte gar nicht schlecht und auch ganz schön wahrheitsgetreu. eben solche fussballabende sind genau richtig für eine runde von männern, die 1x in der woche in den unteren raum eines hauses wandern, um ihren urtrieben freien lauf zu lassen. vielen dank und bis nächste woche am donnerstag gruß lautschi


Kommentar schreiben


Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Geben Sie jetzt noch die dargestellte Zeichenfolge in das Feld unten ein und klicken Sie auf "Kommentar abschicken".
Hinweis: Hierfür muss die Unterstützung von Cookies in Ihrem Browser aktiviert sein.